Der Wirsing, auch Wirsingkohl genannt, erlebt im Winter seine absolute Hochsaison und das aus gutem Grund. Dieses robuste Kohlgemüse trotzt Frost und Kälte, entwickelt dabei sogar ein besonders mildes, leicht nussiges Aroma. Während andere Gemüsesorten in den kalten Monaten rar und teuer werden, punktet der Wirsing mit seiner Verfügbarkeit und seinem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Wirsing-Auflauf mit Kartoffeln vereint die besten Eigenschaften der Winterküche: wärmend, sättigend und erstaunlich preiswert. Diese Kombination aus knackigem Kohl und cremigen Kartoffeln, überbacken mit einer würzigen Käseschicht, macht aus einfachen Zutaten ein wahres Wohlfühlgericht. Der Auflauf ist nicht nur ein kulinarisches Highlight, sondern auch ein Statement für nachhaltiges Kochen mit regionalen Produkten. Gerade in Zeiten steigender Lebensmittelpreise zeigt dieses Rezept, wie man mit wenigen Euro pro Person ein vollwertiges, nahrhaftes Gericht auf den Tisch bringen kann. Der Wirsing liefert dabei wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe, die das Immunsystem in der kalten Jahreszeit stärken. Lassen Sie sich von diesem traditionellen Rezept inspirieren und entdecken Sie, warum unsere Großeltern dieses günstige Wintergemüse so geschätzt haben.
30
50
facile
€
Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. Vorbereitung des Wirsings
Beginnen Sie damit, den Wirsingkohl gründlich zu waschen. Entfernen Sie die äußeren, eventuell beschädigten Blätter. Schneiden Sie den Kohl in vier Teile und entfernen Sie den harten Strunk in der Mitte. Dieser Strunk ist zäh und würde die Konsistenz des Auflaufs stören. Schneiden Sie nun die Wirsingblätter in etwa 2 Zentimeter breite Streifen. Diese Größe ist ideal, denn die Streifen werden beim Garen weich, behalten aber noch etwas Biss. Bringen Sie einen großen Topf mit gesalzenem Wasser zum Kochen und blanchieren Sie (kurzes Garen in kochendem Wasser) die Wirsingstreifen für etwa 3 Minuten. Dieser Vorgang macht den Kohl bekömmlicher und reduziert die Garzeit im Ofen. Gießen Sie den Wirsing anschließend in ein Sieb ab und schrecken Sie ihn kurz mit kaltem Wasser ab, damit er seine schöne grüne Farbe behält. Drücken Sie überschüssiges Wasser gut aus.
2.
Schälen Sie die Kartoffeln sorgfältig und schneiden Sie sie in etwa 3 bis 4 Millimeter dünne Scheiben. Gleichmäßige Scheiben sind wichtig, damit alle Kartoffeln zur gleichen Zeit gar werden. Wenn Sie keine gleichmäßigen Scheiben schneiden können, nehmen Sie ruhig eine Küchenreibe mit Hobelfunktion zur Hilfe. Legen Sie die Kartoffelscheiben in eine Schüssel mit kaltem Wasser, damit sie nicht braun werden und überschüssige Stärke abgeben können. Diese Stärke würde sonst den Auflauf zu klebrig machen. Schälen und hacken Sie währenddessen die Zwiebeln in feine Würfel und pressen Sie die Knoblauchzehen durch eine Knoblauchpresse oder hacken Sie sie sehr fein. Je feiner Sie Zwiebeln und Knoblauch schneiden, desto besser verteilen sich die Aromen im Auflauf.
3.
Erhitzen Sie das Olivenöl in einer großen Pfanne bei mittlerer Hitze. Geben Sie die gewürfelten Zwiebeln hinzu und braten Sie sie unter gelegentlichem Rühren etwa 5 Minuten an, bis sie glasig und weich werden. Glasig bedeutet, dass die Zwiebeln durchscheinend werden und ihre rohe Schärfe verlieren. Fügen Sie dann den gehackten Knoblauch hinzu und braten Sie ihn weitere 30 Sekunden mit. Knoblauch verbrennt schnell, deshalb geben wir ihn erst später dazu. Geben Sie nun den gut ausgedrückten, blanchierten Wirsing in die Pfanne und schwenken Sie alles zusammen für etwa 2 Minuten. Würzen Sie mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskatnuss. Die Muskatnuss harmoniert wunderbar mit Kohlgemüse und verleiht dem Gericht eine warme, leicht süßliche Note. Gießen Sie die Gemüsebrühe dazu und lassen Sie alles weitere 5 Minuten köcheln, damit sich die Aromen gut verbinden.
4.
Für die cremige Bindung des Auflaufs bereiten Sie nun eine klassische Béchamelsauce zu. Schmelzen Sie die Butter in einem Topf bei mittlerer Hitze. Sobald die Butter vollständig geschmolzen ist, geben Sie das Mehl hinzu und rühren Sie mit einem Schneebesen kräftig um. Diese Mischung aus Butter und Mehl nennt man Mehlschwitze oder Roux. Lassen Sie die Mehlschwitze etwa 1 bis 2 Minuten unter ständigem Rühren anschwitzen, damit der mehlige Geschmack verschwindet. Die Mischung sollte leicht schäumen, aber nicht braun werden. Gießen Sie nun nach und nach die Milch unter ständigem Rühren hinzu. Beginnen Sie mit kleinen Mengen, damit keine Klümpchen entstehen. Wenn die Sauce glatt ist, können Sie die restliche Milch schneller zugießen. Bringen Sie die Sauce unter Rühren zum Kochen und lassen Sie sie etwa 3 Minuten sanft köcheln, bis sie eindickt. Rühren Sie die Sahne ein und würzen Sie mit Salz, Pfeffer und etwas frisch geriebener Muskatnuss. Die Sauce sollte die Konsistenz von flüssigem Honig haben.
5.
Heizen Sie Ihren Backofen auf 180 Grad Celsius Ober- und Unterhitze vor. Fetten Sie eine große Auflaufform mit etwas Butter ein, damit der Auflauf später nicht anklebt. Gießen Sie etwa ein Drittel der Béchamelsauce auf den Boden der Form und verteilen Sie sie gleichmäßig. Legen Sie nun die Hälfte der abgetropften Kartoffelscheiben überlappend in die Form. Die Scheiben sollten sich wie Dachziegel überlappen, das sieht nicht nur schön aus, sondern sorgt auch für eine gleichmäßige Garung. Verteilen Sie die Hälfte der Wirsing-Zwiebel-Mischung darüber. Gießen Sie ein weiteres Drittel der Sauce darüber und streuen Sie etwa 50 Gramm geriebenen Käse darauf. Wiederholen Sie diese Schichtung mit den restlichen Kartoffeln und dem restlichen Wirsing. Gießen Sie die letzte Sauce darüber und achten Sie darauf, dass alle Zutaten gut bedeckt sind. Streuen Sie zum Abschluss den restlichen Käse großzügig über die Oberfläche. Der Käse bildet beim Backen eine goldbraune, knusprige Kruste.
6.
Stellen Sie die Auflaufform in den vorgeheizten Ofen auf die mittlere Schiene. Backen Sie den Auflauf für etwa 45 bis 50 Minuten. Nach etwa 30 Minuten sollten Sie einmal nachschauen. Wenn die Oberfläche zu dunkel wird, decken Sie den Auflauf locker mit Alufolie ab. Der Auflauf ist fertig, wenn die Kartoffeln weich sind und die Oberfläche goldbraun und leicht gebräunt ist. Um zu testen, ob die Kartoffeln gar sind, stechen Sie mit einem Messer in die Mitte des Auflaufs. Das Messer sollte ohne Widerstand durch die Kartoffeln gleiten. Nehmen Sie den Auflauf aus dem Ofen und lassen Sie ihn etwa 5 bis 10 Minuten ruhen, bevor Sie ihn anschneiden. Diese Ruhezeit ist wichtig, damit sich die Sauce setzen kann und der Auflauf beim Servieren nicht auseinanderfällt. Beim Ruhen festigt sich die Struktur und die Aromen können sich noch besser entfalten.
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Wenn Sie den Auflauf noch herzhafter gestalten möchten, können Sie zwischen die Schichten dünn geschnittene Schinkenwürfel oder Speckstreifen geben. Für eine vegetarische Variante mit mehr Protein fügen Sie gekochte Linsen oder weiße Bohnen hinzu. Der Wirsing lässt sich auch durch andere Kohlsorten wie Grünkohl oder Spitzkohl ersetzen, dann müssen Sie eventuell die Blanchierzeit anpassen. Reste des Auflaufs lassen sich hervorragend am nächsten Tag aufwärmen und schmecken oft sogar noch besser, da die Aromen Zeit hatten, sich zu verbinden. Sie können den Auflauf auch gut vorbereiten und bis zum Backen im Kühlschrank aufbewahren, dann müssen Sie etwa 10 Minuten zur Backzeit hinzurechnen. Für eine knusprigere Kruste mischen Sie unter den Käse noch etwas Paniermehl oder gehackte Nüsse.
Passende Weinbegleitung zum Wirsing-Kartoffel-Auflauf
Zu diesem herzhaften, cremigen Auflauf empfiehlt sich ein trockener Weißwein mit guter Säure, der die Cremigkeit ausbalanciert. Ein Silvaner aus Franken oder ein Grauburgunder aus Baden passen hervorragend. Diese Weine haben genug Körper, um mit der Käsekruste mitzuhalten, ohne das zarte Wirsing-Aroma zu überdecken. Für Rotweinliebhaber eignet sich ein leichter Spätburgunder oder ein Trollinger, serviert bei etwa 14 bis 16 Grad Celsius. Die fruchtigen Noten dieser Weine harmonieren wunderbar mit den erdigen Aromen von Kohl und Kartoffeln. Wer keinen Alkohol trinkt, kann einen naturtrüben Apfelsaft oder einen Gemüsesaft mit Sellerie und Tomate reichen. Auch ein alkoholfreies Weizenbier passt hervorragend zu diesem rustikalen Wintergericht.
Zusätzliche Info
Der Wirsing gehört zur Familie der Kreuzblütler und wird seit dem 16. Jahrhundert in Europa kultiviert. Sein Name leitet sich vermutlich vom italienischen verza ab, was wiederum auf das lateinische viridia für „grüne Gewächse“ zurückgeht. Im Gegensatz zum glatten Weißkohl besitzt der Wirsing gekräuselte, zarte Blätter und ist deutlich bekömmlicher. Er enthält mehr Vitamin C als Zitronen, reichlich Vitamin K für die Blutgerinnung und wertvolle Glucosinolate, die als krebsvorbeugend gelten. Der Wirsing ist ein typisches Wintergemüse, das von Oktober bis März Saison hat. Frost macht ihn sogar noch schmackhafter, da die Kälte die Stärke in den Blättern in Zucker umwandelt. Historisch gesehen war der Wirsing-Auflauf ein Arme-Leute-Essen, das aus einfachen, regionalen Zutaten bestand und eine ganze Familie satt machen konnte. In der deutschen Küche hat dieses Gericht eine lange Tradition, besonders in ländlichen Regionen, wo der Wirsing im eigenen Garten angebaut wurde. Heute erlebt der Wirsing ein Revival als regionales Superfood, das nicht nur günstig, sondern auch ökologisch sinnvoll ist, da es keine langen Transportwege benötigt.



