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& mein unfreiwilliger Tauchgang in Amsterdam

In meinen ersten Wochen in Amsterdam haben meine Freundin Helen und ich immer Witze darüber gemacht, dass es doch bestimmt ganz schrecklich wäre, wenn man beim Absperren seines Rads auf eine der Brücken seinen Schlüssel fallen ließe. Natürlich haben wir unsere Schlüssel immer gut festgehalten. Und all die Leute in Gedanken ausgelacht, die ihr Auto in eine Gracht fahren oder denen ihr Fahrrad hineinfällt. (und ja, das passiert ständig; es gibt einfach überall Wasser! )

Doch tatsächlich führt oft nichts daran vorbei, seinen Drahtesel auf der Brücke anzuschließen. Es gibt hier einfach so viele Fahrräder, dass die Radständer sehr oft belegt sind. Das wäre ja auch eigentlich alles kein Problem gewesen, wenn nicht an jenem Tag mein Econometrics-PC-Tutorium stattgefunden hätte…

Die ganze Story…

An besagtem Tag hatte ich mein ersten Tutorium, für welches ich meinen Laptop mitnehmen sollte. Ich Schlaumeier packte all meinen Tascheninhalt daher in einen Rucksack. Um zur Uni zu kommen, dachte ich allerdings, ich wäre besonders intelligent und packe meinen Rucksack in meinen Korb am Lenker. Noch viel schlauer allerdings war es, mein Fahrradschloss nach dem Aufsperren zuhause gleich mitsamt des Schlüssels ebenfalls in den Korb zu legen. Geht dann ja schneller, wenn man ankommt. Ihr könnt euch schon denken, worauf ich hinauswill…

Ich komme also an der Uni an, stelle fest, dass mal wieder alles belegt ist und anstatt in die Fahrradgarage zu fahren, schiebe ich mein Rad auf die Brücke. Nichtsahnend ziehe ich meinen Rucksack aus dem Korb, damit der auch ja nicht herausfällt. Allerdings erwarte ich nicht, dass sich Schloss mit Schlüssel im Rucksack verhaken, mit herausgezogen werden und in Zeitlupe über das Geländer in’s Wasser fallen. Nun stehe ich da und blicke vollkommen perplex auf kreisförmigen Wellen unterhalb von mir: WIE KONNTE DAS NUR PASSIEREN?

So. Nun habe ich ein Problem. Mein 50€ ABUS-Schloss ist gerade mitsamt Schlüssel für Apartment, Haus, Briefkasten und zwei Radschlössern in die Gracht gefallen. Ich denke:

Das muss doch lösbar sein – das passiert doch jeden Tag jemandem!

Naja. Vorerst stelle ich fest, dass mein Fahrrad ja jetzt leider auch nicht abgeschlossen ist. Bei der hohen Fahrrad-Fluktuationsrate wage ich es nicht, das einfach so stehen zu lassen. Die ersten Charaktere meiner Story kommen in’s Spiel: Zwei Mädels, A & B, die in einem Café sitzen. „Könnt ihr kurz auf mein Fahrrad aufpassen?“

Ich renne in das Unigebäude und suche verzweifelt nach Hausmeister oder jemandem, der mir helfen kann. Hausmeister, Person C, meint, er schaut mal, ob er vielleicht passende Tools finden kann. In der Zwischenzeit texte ich meinen Freunden, dass ich zu spät komme und ob sie bei A & B mein Rad abholen und absperren können. Mein Freund D treffe ich dann mit Hausmeister C auf der Brücke. C hat irgendwas mitgebracht, das aussieht wie eine Harke mit ca. 2m langem Griff. Die Gracht an der Stelle hat nur leider 2,5m Tiefe und die Brücke ist ca. 3m hoch. Ich bedanke mich und C verschwindet von der Bühne.

D allerdings winkt mit einem Taschentuch herum: Das habe er von A & B bekommen; die hätten eine Telefonnummer aufgeschrieben von jemandem, der einen Magnet habe. Also rufe ich dort dreimal an und schreibe per WhatsApp, dass ich dringend Hilfe bräuchte. Und fünf Minuten später erhalte ich einen Anruf: Eine Frau ist am Telefon, Person E, die ein bisschen verwirrt ist, warum eine wildfremde Person ihre Nummer hat. Ich erkläre kurz und sie meint daraufhin: „Den Magneten habe ich nicht mehr!“ Aber ihr Magnet sei jetzt bei dem Nachbarn (G) des Eigentümer eines Buchladens (F). „Wie heißt denn der Magnet-Mensch?“ Das wisse sie leider nicht. Sie wisse nur, dass es der Nachbar des Buchladens von F sei. Aha. Das ganze wird nun etwas verwirrend.

Um nicht 20min an das andere Ende der Stadt zu radeln, ohne zu wissen, ob G, dessen Namen ich ja nicht mal kenne, denn auch zuhause ist, versuche ich, im Buchladen anzurufen. Wieder dreimal. In der Zwischenzeit rufe ich bei meiner Hausverwaltung (DUWO) an: Was ich denn wolle? Nein, sie haben keinen Zweitschlüssel. Ich müsse eine Firma beauftragen, die meine Tür aufbreche. GANZ TOLL! In meinem Kopf flattern Euroscheine (100€ Türe aufbrechen, 100€ neues Tür-Schloss, 30€ neuer Chip-Key für das Haus, 20€ neuer Briefkastenschlüssel, 50€ neues Radschloss). So teuer habe ich mir die ersten Wochen nicht vorgestellt.

Gottseidank ruft mich F, der Buchladenbesitzer, zurück:

„Hallo! Ich habe von E erfahren, dass Ihr Nachbar einen starken Magneten besitzt!“

„Ah, okay?! Bist du mit E befreundet?“

„Nein. Ich habe Ihre Nummer von einem Kumpel, der zwei Mädels getroffen hat.“

Der Dialog klingt natürlich äußerst vertrauenserweckend. Meine Freunde, die neben mir sitzen, können schon nicht mehr vor Lachen. F ist trotzdem irgendwie nicht abgeneigt und meint, er schaue mal kurz, ob sein Nachbar zuhause sei. Fünf Minuten später sagt er mir, ich könne vorbeikommen. Ich schwinge mich also auf’s Fahrrad und radle 20min zum Buchladen, hole den Magneten, radle wieder 20min zurück. Allerdings befürchte ich schon: Der Magnet ist recht klein und schwach; mein Schloss mit Schlüssel ist es allerdings nicht…

Ich muss äußerst verwirrt ausgesehen haben, als ich für 10min den Magneten an der Schnur immer wieder von der Brücke werfe. Angeln für Idioten quasi. Und es hilft nichts. Zwei Stunden später und mein Schloss und Schlüssel sind immer noch irgendwo auf dem Grachtengrund.

Ich renne wieder in das Café vom Beginn der Geschichte. Frage zwei Mitarbeiterinnen, ob man denn nicht einfach in diese gottverdammte Gracht reinhüpfen könne. Mein Gott, ich werde ja wohl nicht sterben. Außerdem habe ich einfach keine Lust, tausend Schlüssel neu machen zu lassen, die Nacht irgendwo anders zu verbringen und 300€ auszugeben.

Der Plan steht: Mitarbeiterin verstaut mein Fahrrad und holt mir eine Kochschürze. Wenigstens etwas, in das ich mich danach einwickeln kann.

Nur: Wie komme ich in’s Wasser?

Die Grachten sind leider sehr viel tiefer als die Straßen und man kommt nicht so ohne Weiteres aus dem Wasser. Ich komme auf die Idee, am nächsten Hausboot zu klingeln. Die gute öffnet mir die Türe. Erst ein bisschen überrascht (wer geht auch freiwillig in dem Dreckswasser baden?) zeigt sie sich überaus hilfsbereit. Meine Retterin! Sie leiht mir einen alten Badeanzug von sich, kramt eine Schwimmbrille hervor und gibt mir Handtücher. Ich bin gerührt!

Von ihrem Hausboot lasse ich mich in’s Wasser plumpsen und beginne mit der Suche. Es ist gut kalt, aber mein Gehirn ist einfach so beschäftigt damit, sich auf die Mission zu konzentrieren, dass mir das erst weit später auffällt. Unter Wasser sieht man leider gar nichts. Ich versuche also, mich immer kurz unter Wasser sinken zu lassen und mit den Füßen den Boden abzutasten.

„Boden“ – der Grachtengrund besteht aus 40cm Schlick, Müll und Scherben.

Und ja, es ist ziemlich widerlich. Ich finde ein Fahrrad, zwei alte Schlösser, zerbrochene Flaschen und noch viel mehr Undefinierbares. Die Passanten grinsen, wenn sie von der Brücke schauen. Nach 20min, gefühlt einer halben Ewigkeit, will ich schon aufgeben, als meine Zehen tatsächlich das U meines Schlosses auftauchen! Kurz darauf finde ich auch meinen Schlüssel am zweiten Teil des Schlosses. Ich glaubt ja gar nicht, was für ein wahnsinniges Glücksgefühl in diesem Moment in mir aufsteigt. Nachdem ich schreie, jauchze und mit den Armen in der Luft rumwedle, gehe ich bei M duschen, radle nochmal zu F, bringe das Schloss zurück und bin heilfroh, dass ich zuhause meine Haustüre aufsperren kann und mich leckeres Essen von Helen erwartet. Was für ein Abenteuer!

Mit der lieben Hausbootbesitzerin M habe ich mich sofort prächtig verstanden, weshalb sie mich einen weiteren Abend auf ihrem Boot willkommen heißt. Mit Blumen und Schokolade im Gepäck schlage ich bei ihr auf:

Es gibt im Ofen geröstetes Herbstgemüse auf Bulgursalat!

Inspiriert von den leckeren Gericht bei ihr mache ich in letzter Zeit sehr oft einen Bulgursalat mit Cashews, Cranberries & Rosenkohl. Da ihr euch auf Instagram mehr Rezepte gewünscht habt, die man easy peasy abends nach der Uni/Arbeit machen kann, bietet sich das perfekt an! Außerdem kann man es auch super gut am nächsten Tag für das Mittagessen mitnehmen.

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Vorbereitungszeit
Zubereitungszeit
Gesamtzeit
 
Crunchy, süß, salzig und noch warm: Gibt es einen besseren Salat im Herbst?
Autor:
ergibt: 3 Portionen
Zutaten
  • 300g Rosenkohl
  • 3 El Olivenöl
  • 50g Cashews
  • 50g getrocknete Cranberries
  • 1 Tl Curry-Pulver
  • 1 Tl Paprika-Pulver
  • ½ Tl Kreuzkümmel
  • 6 El Sojasoße
  • 1 El Honig
  • 400ml Gemüsebrühe
  • 200g Bulgur
  • 1 rote Paprika
  • ½ Bund Koriander
So geht's...
  1. Den Rosenkohl putzen, halbieren und in einen Topf geben. Den Topf mit Wasser und einem Tl Salz füllen, sodass die Kohlköpfe mit Wasser bedeckt sind. Aufkochen und zugedeckt bei mittlerer Hitze 12 Minuten kochen lassen. Den Rosenkohl in einem Sieb abtropfen lassen, ein Teil des Wassers für die Gemüsebrühe verwenden, den Rest abgießen.
  2. Nun den Topf (oder einen zweiten Topf, falls Schritt 1 noch nicht abgeschlossen ist) mit dem Öl erhitzen und Cashews, Cranberries, Curry- und Paprika-Pulver und Kreuzkümmel hinzugeben. Nach ein paar Minuten Anrösten die Sojasoße und den Honig dazugeben, unterrühren und dann mit Gemüsebrühe ablöschen. Bulgur dazugeben und auf niedriger Hitze für 20min ziehen lassen, gelegentlich umrühren.
  3. In der Zwischenzeit die Paprika waschen und fein schneiden. Den Rosenkohl in einer Pfanne kurz anbraten, salzen und dann mit Paprika in die Bulgurmischung rühren. Alles mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit frischem Koriander bestreuen und servieren.
 

Preiswert_Label

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Bei diesem Rezept kostet jede Portion ungefähr 1,50€.

Kann man sich mal gönnen!

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Vegan_Label

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Dieses Gericht ist vegan, wenn man den Honig ersetzt,
z.B. mit Ahornsirup.
Wer Honig toleriert, darf diesen natürlich verwenden!

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Schnell_Label

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Das Rezept ist fix gemacht.

Wenig Schnipselarbeit!

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Ich strenge mich mal an, dass ich euch nächstes Mal etwas weniger Text zu Lesen gebe.
Das war heute schon sehr viel!

Allerdings interessiert mich natürlich brennend: Wärt ihr in’s Wasser gehüpft?

Liebe Grüße und ganz viel Liebe aus Amsterdam

eure Wassernixe Antonia


 

More about Antonia

Economics-Studentin in Amsterdam, die gerne in der Küche werkelt, auf Reisen geht und Rechenaufgaben löst. Wenn sie nicht gerade die Welt entdeckt, ist sie auf dem Rennrad, im Wasser oder in den Laufschuhen zu finden. Außerdem hat sie ein Faible für Schokolade, schöne Fotos und chices Interior und ist steht's am Basteln.

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